4 Weinbauregionen in SÜDITALIEN
Apulien
Die Wein-Region Apulien liegt im tiefen Süden Italiens und erstreckt sich entlang der Adria vom Nordrand des Sporns bis hin in den Absatz des italienischen Stiefels. Das Klima wird von der Adria beeinflusst. Durch die südliche Lage und die Meeresnähe herrscht ein ausgeglichenes, warmes, im Sommer heißes Klima. Die Region ist stark vom Wassermangel geprägt, Flüsse die zur Bewässerung dienen könnten gibt es nicht.
In Apulien wird seit etwa 4.000 Jahren Wein angebaut. Apulischer Wein war berühmt, jedoch konnte sich die Region von der Reblaus-katastrophe kaum erholen. Es wurden zwar wieder Reben gepflanzt, aber die Qualität der Weine war lange Zeit mehr als dürftig. Erst durch den großen Erfolg der Rotweine Nord- und Mittelitaliens und der unerhört gestiegenen Preise gelang es Apulien auf sich aufmerksam zu machen. Von den hohen Preisen erschreckt suchten viele Händler alternativen für Chianti & Co. und fanden diese in Apulien. Hier gab es einige qualitätsbewusste Winzer, die sich vom Heer der Massenwein-produzenten abhoben. Ihr Erfolg strahlte auf weitere Produzenten aus.
Unter den vielen einzelnen Weinbaubereichen heben sich Salento und Castel del Monte ab. Castel del Monte liegt am Abhang des Hochplateaus und ist klimatisch begünstigt, so dass elegante Weine erzeugt werden können. Nero di Troia, Malbec, Sangiovese, Aglianico und Pinot Nero werden auf roten Böden mit kalkhaltigem Untergrund angebaut. Die Primitivo ist hier eine sehr wichtige Rebsorte. Seit ihrer Gründung 1971 hat sich diese DOC als ein erstklassiges Weinbaugebiet etabliert.
Sizilien
Die Region Sizilien mit ihrer Hauptstadt Palermo ist mit rund 26.000 qkm und mehr als 5 Millionen Einwohnern die größte Insel des Mittelmeers und mit mehr als 130.00 Hektar Rebflächen auch die größte Weinregion Italiens. 15% des italieni-schen Weines wird hier produziert. Schon seit 2500 vor Christus gab es hier Weinanbau. Mit der Einwanderung der Griechen im 8. Jhd. vor Christus kamen neue Weinanbau-Techniken und Rebsorten nach Sizilien.
Der Boden ist zum größten Teil vulkanischen Ursprungs. Auf 75 % der Rebflächen werden weiße Sorten, wie Catarratto, Grillo, Inzolia und Trebbiano angebaut. Bei den roten Rebsorten gibt es am häufigsten Nero d´Avola. Sizilien – so sagen die Sizilianer immer – sei keine Insel, sondern ein eigener Kontinent. Heißes, ausge-prägt subtropisches Klima an den Stränden um die Insel steht im Kontrast zum ewigen Eis am Ätna in über 3.000 Meter Höhe.
Ähnliche Dimensionen gibt es im Weinbau: Dort spannt sich der Bogen von den sonnendurchfluteten Weingärten in der Ebene bei Pachino im Südosten oder bei Marsala im Südwesten über Mittel-gebirgslagen im Landesinneren bis hin zu Höhen-lagen an den Hängen des Ätna, wo Weinbau auch auf 1000 Metern über dem Meer zu finden ist. Entsprechend vielfältig sind die Weine der Sonnen-insel. Zu dieser Vielfalt tragen auch die vielen Weinbaubetriebe bei, die im Laufe der beiden letzten Jahrzehnte entstanden sind und Sizilien vom Image eines Massenproduzenten befreit hat.
Sardinien
Sardinien ist die zweitgrößte Insel Italiens. Aufgrund ihrer geographischen Lage und ihres kulturellen Hintergrunds unterscheidet sie sich sehr vom italienischen Festland. Weinanbau hat auf Sardinien Tradition. Bisher ließ sich die Geschichte des Weinanbaus auf der Insel bis ins Jahr 700 v. Chr. zurückverfolgen, wo zunächst die Phönizier, später die Karthager schon bestehende Weinberge pflegten. Trotzdem war Sardinien bis in die 70er Jahre als Weinland weitgehend unbekannt, die meisten Weine dienten als anonyme Verschnittweine. Heute werden auf ca. 40.000 ha Rebfläche eigenständige und unverwechselbare Rebsorten angebaut.
Die zweifellos wichtigste Weissweinrebe der Insel ist der Vermentino (ein Vergleich mit einer ähnlichen Bedeutung des Grünen Veltliners für Österreich ist hier durchaus angebracht), der für die Auferstehung der sardischen Weine in den 90er Jahren verantwortlich war. 1975 wurde der Vermentino di Sardegna der erste DOC-Wein Italiens, 1996 erhielt der Vermentino di Gallura den bislang einzigen DOCG-Status der Insel. In 20 ausgewählten Gemeinden und auf 700 ha darf sich der Vermentino di Gallura mit dem Zusatz DOCG versehen.
Die Gallura liegt im äußersten Nordosten Sardiniens, diese Gegend ist vor allem touristisch bekannt durch die berühmte Costa Smeralda, einer Küstenlandschaft mit weißen Stränden, glasklarem in verschiedenen Blautönen schimmernden Buchten und vom Meer bizarr gestalteten Granitformationen. Hinter beginnen die Weinberge und Korkeichenwälder der Gallura. Hier findet die Vermentino Rebe ideale Bedingungen. Die Böden bestehen aus Granitverwitterungen, sie sind wasserdurchlässig mit steinigem, fast felsigen Untergrund. Die umgebenden Felsmassive sorgen für kühle Nächte und damit zu recht hohen Temperaturunterschieden zwischen Tag und Nacht, was die Aromenbildung der Weine unterstützt. Auch die recht hohen Lagen 300 bis 450 m über dem Meeresspiegel tragen zur Qualität dieses Vermentino bei.
Kampanien
Kampanien, der Golf von Neapel, die Amalfitana, die vielleicht schönste Kulturlandschaft der Erde. Seit Ewigkeiten. Die Region rund um den Vesuv bei Neapel eignet sich in einmaliger Weise für den Weinbau: vulkanische Böden, der mildernde Einfluss des Meeres auf das Klima und die Höhe der Berge sorgen für ausgezeichnete Lagen. Die hier heimischen Trauben-sorten haben Charakter und sind mineralisch geprägt.
Die Rotweintraube Aglianico und die Weisswein-traube Greco di Tufo erinnern an die Griechen in vorrömischer Zeit, immerhin wird hier seit dem 12.Jh. v. Chr. Weinbau betrieben. Die aufregend-sten Weine kommen aus Irpinien nordöstlich von Neapel. Auf 40.000 ha wird hier Wein angebaut. Selbst mit den besten Gewächsen der Welt brauchen sie den Vergleich nicht zu scheuen.
Zu verdanken ist dies ureigenen Rebsorten wie Aglianico, Greco und Fiano - und nicht etwa Cabernet, Merlot, Chardonnay oder Sauvignon. Die heimischen Sorten sind ein einzigartiger Schatz Irpiniens, der einst aus dem antiken Griechenland dorthin gelangte. Die Weinberge wurden an den kühleren Hängen erloschener Vulkane angelegt, damit die Aromen der Trauben während der heißen Sommertage erhalten bleiben. So entstehen Cool-Climate-Weine in einer Hot-Climate-Region.